[Kategorie: Externe Nachrichten, Über die Gesellschaft]
Montag, 7. November 2011

Zur Debatte um den Film "Anonymous"

Am 10. November lief in den deutschen Kinos der Film "Anonymous" von Roland Emmerich an, der schon vor dem Kinostart eine rege Debatte ausgelöst hat.

Der Vorstand der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft freut sich immer, wenn über Shakespeare in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Auch ein Hollywood-Film wie Roland Emmerichs "Anonymous" kann dazu beitragen, dass die Aktualität von Shakespeares Werk, die sich bei jeder Auseinandersetzung mit ihm -- auf der Bühne, auf der Leinwand, in den neuen Medien oder schlicht bei der Lektüre -- immer wieder zeigt, neu zur Geltung kommt und weitere Interessenten anzieht. Besonders freut es uns, wenn dies zugleich zum Kennenlernen seiner Stücke durch Theaterbesuche oder durch Lektüre führt. 

Im Zentrum unserer Arbeit in der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft steht die Beschäftigung mit Shakespeares Werk, d.h. seinen Dramen und Gedichten in historischen wie aktuellen Perspektiven. Fragen zur Biographie stehen in der Forschung und im Unterricht weniger im Vordergrund, auch wenn wir die Lektüre der Shakespeare-Biographien von so namhaften Wissenschaftlern wie Stephen Greenblatt (Will in der Welt, 2004) oder Katherine Duncan-Jones (Ungentle Shakespeare, 2001)  selbstverständlich sehr empfehlen. Die Geschichte, die "Anonymous" erzählt, ist ein Produkt der Phantasie und berücksichtigt erwiesene historische Tatsachen nur punktuell. Dagegen ist nichts einzuwenden; Shakespeare selbst ist in seinen zahlreichen Historiendramen prinzipiell nicht anders verfahren. 

Wie Shakespeares Dramen dient ein Spielfilm  stets der Unterhaltung. Zwar kann ein Verschwörungs-Thriller auch historische Tatsachen verarbeiten, im Fall von "Anonymous" aber gehen die geschichtlichen Erfindungen so weit, dass es abwegig und naiv wäre, daraus Aufklärung über historische Zusammenhänge zu erwarten.

Zur Debatte nimmt Frank Günther in ebenso witziger wie fachkundiger Weise wie folgt Stellung: link


Wer sich für Shakespeares Leben interessiert, findet viele verlässliche Quellen; Hinweise hierzu haben wir im Folgenden zusammengestellt. Aus diesem Material geht auch hervor, warum vor  150 Jahren die Idee aufkam, Shakespeares Autorschaft in Frage zu stellen, und warum wir dennoch sicher sein können, dass er die Stücke und Gedichte selbst geschrieben hat. 

Hier zunächst ein deutschsprachiger Überblick über die biographische Forschung und die relevanten Dokumente zu Shakespeares Leben sowie zu den gängigen Verfasserschaftstheorien

Ingeborg Bolz, "Die Persönlichkeit." Shakespeare-Handbuch, Hg. von Ina Schabert. 5. Aufl. (Stuttgart: Kröner Verlag 2009), S. 119-190.
Artikel als pdf-Datei (Copyright Kröner Verlag)

Bei Interesse können Sie die neueste Auflage des Shakespeare-Handbuchs online bestellen: kroener.txt.de/Kroener/TXTSIArtikel/978-3-520-38605-2


Im Shakespeare Jahrbuch hat sich Andreas Höfele kritisch mit der Autorschafts-Debatte auseinandergesetzt: 
"The happy hunting ground: Shakespeare-Kult und Verfasserschaftstheorien." Shakespeare Jahrbuch 139 (2003), S. 13-32.
Artikel als pdf-Datei (Copyright Kamp Verlag Bochum)


Hier zwei umfassende englischsprachige Websites zu allen Fragen der Autorschaft:

shakespeareauthorship.com

www.dispositio.net/about

Hier ein kostenloses eBook (auf Englisch) zum Film "Anonymous" und allen Fragen, die er aufwirft:

bloggingshakespeare.com/wp-content/uploads/2011/10/Shakespeare_Bites_Back_Book.pdf

Die beste und informativste Quelle zur Verfasserschaftsdebatteund ihren geschichtlichen Voraussetzungen sowie Konsequenzen ist das folgende englischsprachige Buch:

James Shapiro: Contested Will. Who Wrote Shakespeare? London: Faber, 2010.
Shapiros in The New York Times erschienene Bewertung der mit "Anonymous" neu entflammten Autorschafts-Debatte finden Sie hier als pdf-Datei 

 

Weitere aktuelle Stellungnahmen, Interviews und Bewertungen zum Emmerich-Film sind hier zu finden:

* Frank Günthers Replik auf Emmerich im Feuilleton der WELT am 23.11.2011 als pdf-Datei

* Vortrag von Martin Windisch am 13.11.2011 im CinemaxX an der Liederhalle Stuttgart als pdf-Datei

* Interview mit Martin Windisch am 11.11.2011 in den Stuttgarter Nachrichten als pdf-Datei

* Interview mit Tobias Döring am 08.11.2011 im Darmstädter Echo als pdf-Datei

* Frank Günthers Antworten auf Roland Emmerichs "Ten Reasons Why William Shakespeare is a Fraud"

(s.a. Emmerichs Ten Reason's auf youtube: www.youtube.com/watch?v=zXhR0PFLkqs)

* lnterview mit Frank Günther in der Nürnberger Zeitung am 10.11.2011 als pdf-Datei

* Interview mit Frank Günther im Deutschlandradio Kultur am 6.11.2011: ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/31/drk_20111031_1509_382dd641.mp3 

Schriftliche Zusammenfassung des Interviews: www.dradio.de/dkultur/sendungen/kinoundfilm/1596923/

* Holger Syme: "How Shakespeare could write Shakespeare" (Montreal Gazette, 1.11.2011) als pdf-Datei

Frank Günther in der Basler Zeitung vom 29. Oktober 2011: bazonline.ch/kultur/buecher/Er-hat-sich-leidenschaftlich-fuer-Macht-interessiert/story/31866020

* Interview mit Tobias Döring im Deutschlandradio Kultur am 13.10.2011: podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/10/13/drk_20111013_0749_6b47bd84.mp3

Schriftliche Zusammenfassung des Interviews: www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1577870/

* Artikel von Tobias Döring in der  FAZ vom 11. Oktober 2011



« Zurück zu Start