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[Category: Theater-Veranstaltungen]
Friday, 16 October 2009

Pressestimmen zum Lear von Karin Beier in Köln

by Jens Mittelbach

„Das Eröffnungsbild kreiert die Stille des Anfangs. Paradiesischen Zustand. Eine Unschuldvermutung. Dann wird es Licht. Das Drama beginnt – und der Zerfall setzt ein (…) Was mit großer Geste beginnt, kann nicht klein enden. Karin Beiers „König Lear“ zur Eröffnung der Spielzeit am Kölner Schauspielhaus hat den Mut, die Konsequenz und den Willen zum Weltdeutungsdrama, das hier ein Weltendedrama meint, in dem das, was ist, nur eine Silbe, eine Sekunde, einen Licht-, Kleider und Stimmwechsel getrennt ist vom Nichts. Den Zwischenraum – mit der Ver-Nichtung von Ordnung – füllen 140 pausenlose Minuten schmerzhaft intensiv, unfeierlich, unerbittlich, radikal. Bis auf die Knochen frei gelegt, lässt die Inszenierung keine Gefallsucht, strapazierte Aktualitätsfloskeln und entleerte Dekonstruktionsformeln zu. Nach diesem Abend weiß man wieder, warum überhaupt man ins Theater geht.“

(Andreas Wilink, Nachtkritik)

 

„Warum nur Frauen? (…) Die Frage hat sich nach wenigen Minuten im Kölner Schauspielhaus sowieso erledigt. Es geht zumindest mit diesen Frauen ebenso gut, wie mit Männern oder rollengemäßen Geschlechtszuordnungen. Ach nein, es geht noch besser. Hier lenkt kein Geschlechterkampf ab vom Konflikt der Generationen und von der Schlacht, die jeder Einzelne mit seinem herannahenden Tod ausficht.“

(Christian Bos, Kölner Stadtanzeiger)

 

„Am Schauspiel Köln geht Karin Beier einen Schritt weiter. Shakespeares Tragödie hat sie durchweg mit Frauen besetzt, die, nur sechs insgesamt, elf Rollen übernehmen. Die Frage des Geschlechts tritt dabei hinter der tödlichen Logik der Gewalt zurück und erscheint ähnlich äußerlich wie Kostüm und Rolle. Dass es Frauen sind, die so viel Grausamkeit zulassen und ihr ausgesetzt werden, lässt diese fast noch verletzlicher, qualvoller, brutaler erscheinen. Sinnlos zeiht die Gewalt ihre blutige Bahn.“

(Andreas Rossmann, FAZ)

 

„Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspiels, gilt als ausgewiesene Shakespeare-Expertin und widmet sich nun zum Saisonauftakt erstmals dessen Spätwerk „König Lear“. Es wurde ein beeindruckender Abend, disparat und verstörend, nervend und berührend (…) Nach diesen zweieinviertel Stunden verlässt man das Theater anders, als man es betreten hat.“

(Hans-Christoph Zimmermann, General-Anzeiger)

 

„Kühn und entschlossen treibt Beier Shakespeares Tragödie in die Groteske – die schärfste Form der Zuspitzung, denn die Groteske verweigert jedes Mitgefühl. Das Tragische tritt nackt zu Tage in seiner hässlichen Sinnlosigkeit. So gnadenlos hat man die Vernichtung eines Herrschergeschlechts noch nicht gesehen.“

(Dorothee Krings, Rheinische Post)

 

„Schwer und düster, mörderisch und feucht, geriet Karin Beiers Inszenierung von Shakespeares „König Lear“ am 26. September im Kölner Schauspielhaus zu einer Hommage an den vor wenigen Monaten verstorbenen Regisseur-Kollegen Jürgen Gosch.“

(Andreas Rehnholt, www.musenblätter.de)

 

“Man hört das hysterische Weinen eines (einer) kummervollen Alten, spürt Zorn, Frust, aber ohne Selbstmitleid. Dann im Wahn, die Nüsse mit entblöster Brust, albern, ein Rumpelstilzchen. Schließlich zittrig inmitten der rohen Welt, erschrocken, kindlich, bemitleidenswert. Altersdement kehrt Lear in die Embryohaltung zurück.“

(Vasco Boenisch, Süddeutsche Zeitung)



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