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Ist die Zeit aus den Fugen? Shakespeare-Überschreibungen auf den Theaterbühnen der Berliner Republik
Hrsg. Cecile Sandten und Norbert Schaffeld
Arbeitszeit: 2 Jahre
Veröffentlichungstermin: April 2012
Veröffentlichung in der Reihe CHAT (Chemnitzer Anglistik/Amerikanistik Today), WVT Trier
Kongruierte Theater in Deutschland über Jahrhunderte hinweg zumeist mit einer Vergegenwärtigung von Rede und Tat durch das nachahmende Bühnenspiel, so stellen in der Folge insbesondere die Allgegenwart der Medien, die Entwicklung postmoderner Literatur- und Kulturtheorien sowie experimentelle Formen des Gegenwartstheaters seit den 1960er Jahren zweifellos tief greifende Einschnitte in der deutschen Theaterpraxis dar. Diese Prozesse blieben selbstverständlich nicht ohne Einfluss auf das deutsche Shakespeare-Theater und seine vielfältige Adaptions- und Überschreibungspraxis. Im steten Blick auf dieses bühnenwirksame Experimentierfeld sollen daher im Zeitraum der beiden Nachwendedekaden Aspekte wie die Rückkehr zum Volkstheater, das Theater der Dekonstruktion, das plurimediale Theater, die Inszenierungen von Nicht-bzw. Pan-Textualität, das Kopftheater, das anti-mimetische Theater, nihilistische groteske Formen und nicht zuletzt das Regietheater ins Blickfeld gerückt werden, um die gravierenden Veränderungen innerhalb der palimpsestartigen Shakespeare-Inszenierungen deutlich zu machen. Gleichzeitig soll vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der Berliner Republik aber auch überprüft werden, ob die beispielsweise von Wilhelm Hortmann zu Beginn des 21. Jahrhunderts formulierte doppelte Diagnose eines Einbruchs der politischen Aktualität Shakespeares und eines Endes der emanzipatorischen Adaptationspraxis nach wie vor Geltung beanspruchen kann.
Schon jetzt lässt ein kursorischer Blick auf das gegenwärtige Shakespeare-Theater den Schluss zu, dass sich die Stücke den konventionellen ästhetischen Paradigmen und traditionellen Wahrnehmungsmustern deutlich zu widersetzen suchen, wobei in den entsprechenden Aufführungen u.a. mit dem Prinzip der Dissoziation gearbeitet wird. "Hamlet – ist tot", so lautet bezeichnenderweise der erste Satz in Klaus Schumachers Hamlet für das Junge Schauspielhaus in Hamburg (Premiere 26.09.2009). Ein Satz, der die Richtung der gesamten Inszenierung vorgibt: Ist Shakespeares bekannteste Tragödie 'tot interpretiert', 'tot gespielt', 'tot rezensiert' worden? Häufig, so die nahe liegende Vermutung, steht die im postmodernen Zeitalter des "anything goes" zunehmend anzutreffende Zerrissenheit individueller Erfahrungen und Wahrnehmungen im Mittelpunkt der Inszenierungen.
Verfügte das klassische Theater noch über das Konzept eines begrifflich Ganzen, so zeichnet sich im Gegensatz dazu das gegenwärtige Shakespeare-Theater durch Addition, Juxtaposition und eine radikalisierte Entäußerung und Verinnerlichung aus. Darüber hinaus verweist der zuletzt genannte Aspekt eine Tendenz zur Selbstreflexion und Selbstthematisierung auf, die unter den Schlagwörtern der Inter- und Multimedialität, der Polylingualität oder Heteroreferenzialität zu verhandeln wäre.
Dieser Sammelband setzt an eben dieser Schnittstelle an, um zu eruieren, wie sich das Shakespeare-Theater in den zwei Jahrzehnten der Berliner Republik im Kontext des Aufbruchs zu 'neuer' Formen- und Ausdrucksvielfalt sowie innovativen Überschreibungen an prominenten deutschen Bühnen positioniert und ob sich in dieser Konstellation dennoch eine innovative Renaissance der Politisierungstendenzen abzeichnet. Unter diesem Vorzeichen sollen Shakespeare-Aufführungen der Nachwendezeit für einige ausgewählte deutsche Theaterzentren (z.B. Berlin, Bochum, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Stuttgart und Weimar) in den Fokus genommen werden, wobei durchaus daran gedacht ist, die Beiträge zur Theaterlandschaft durch kulturhistorische, soziologische und politische Aufsätze zu ergänzen.
Bitte schicken Sie Ihren Beitragsvorschlag (Arbeitstitel) bis zum 31.03.2010 an eine der folgenden Adressen:
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Professor Dr. Cecile Sandten |
Professor Dr. Norbert Schaffeld |
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Anglistische Literaturwissenschaft |
Anglistik: Literaturwissenschaft |
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Philosophische Fakultät |
Fachbereich 10 |
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TU Chemnitz |
Universität Bremen |
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Reichenhainer Straße 39 |
Bibliothekstraße |
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09107 Chemnitz |
28359 Bremen |
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Tel.: 0371/531-37353 oder -34285 (Sekretariat: Frau Zenner) |
Tel.: 0421/218-68140 oder -68054 (Sekretariat: Frau Mai) |
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Email: nsch(at)uni-bremen.de |
